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Urlaub: Die geschützte Erholungspause von der Arbeit

Letzte Aktualisierung: 11/08/2017 | Aktuell

Sommerzeit ist Urlaubszeit: Doch was ist, wenn die erholsame Zeit im Jahr durch Krankheit getrübt wird? Oder der Arbeitgeber den Urlaub verweigern will?

Krank im Urlaub: Was nun?

Der lang ersehnte Moment ist gekommen: Endlich hat man es auf die Strandliege geschafft. Doch wie man da so entspannt mit Blick aufs Meer döst, kündigt sich ein Kratzen im Hals an. Schon abends liegt man fröstelnd im Bett. Und das mitten im Urlaub. Doch der Frust muss nicht allzu groß sein. Wer zum Arzt geht und sich ein Attest holt, kann es dem Arbeitgeber vorlegen. Auch eine Krankschreibung im Ausland hat Gültigkeit, die Krankheitstage zählen nicht als Urlaub. Bei Fragen hilft die Krankenkasse weiter. Auch ein Fachanwalt berät Sie in puncto Arbeitsrecht und Urlaub.

Darf der Arbeitgeber beantragten Urlaub ablehnen?

Ja. Nämlich dann, wenn ein Großauftrag zu erwarten ist oder im beantragten Zeitraum Hochbetrieb herrscht. Wenn gleich mehrere Kollegen für dieselbe Zeit Urlaub einreichen, muss der Chef abwägen. Schließlich können nicht alle der Arbeit fern bleiben. Der Chef darf die Urlaubserlaubnis allerdings nicht zurücknehmen, wenn er sie bereits erteilt und der Arbeitnehmer schon gebucht hat. Ebenso wenig darf der Chef einen Arbeitnehmer aus dem Urlaub zurückbeordern. Das ist ihm sogar dann untersagt, wenn es eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag gibt. Solche Klauseln sind laut Urteil des Bundesarbeitsgerichts unwirksam.

Kann der Arbeitnehmer einen Arbeitgeber zum Urlaub zwingen?

Das Software-Update, die Weihnachtsferien, der Umzug: Es gibt Zeiten, in denen der Chef seine Angestellten nicht braucht. Doch darf er sie dann zwingen, Urlaub zu nehmen? Nein, das darf er nicht. Die einzige Möglichkeit, Urlaub anzuordnen, ist der Betriebsurlaub. Arbeitgeber müssen ihn aber laut Arbeitsrecht bereits zu Jahresbeginn festlegen.

Muss man laut Arbeitsrecht im Urlaub für den Chef erreichbar sein?

Etwa 70 Prozent der Arbeitnehmer bleiben auch im Urlaub erreichbar. Je mehr Gehalt im Spiel ist, desto größer die Einsatzbereitschaft. Doch ist die Bitte des Chefs rechtens, im Urlaub mal eben schnell etwas für den Kunden XY zur erledigen? Definitiv nicht, das verbietet das Bundesurlaubsgesetz. Es existiert seit 1963 und schreibt vor, dass Arbeitnehmer regelmäßig Erholung brauchen. Damit die nötige Ruhe gewährleistet ist, darf der Arbeitnehmer ihnen im Urlaub keine Arbeit aufhalsen. Vom Arbeitsrecht her sind Sie also auf der sicheren Seite, wenn Sie Anrufe und E-Mails des Chefs in den Ferien ignorieren.

Wann besteht Anspruch auf Sonderurlaub?

Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf Sonderurlaub zu ganz bestimmten Anlässen. Der Sonderurlaub wird zusätzlich gewährt und darf nicht von dem im Arbeitsvertrag geregelten Erholungsurlaub abgezogen werden. Zu den Anlässen für Sonderurlaub gehören:

  • die eigene Hochzeit (ein Arbeitstag)
  • der Tod eines nahen Familienangehörigen (zwei Arbeitstage)
  • ein Umzug aus dienstlichem Grund (ein Arbeitstag)
  • die Geburt eines eigenen Kindes (ein Arbeitstag für den Vater, für die Mutter gilt der Mutterschutz)
  • Silberhochzeit oder Goldene Hochzeit der Eltern (ein Arbeitstag)