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In vielen Bereichen von Beruf und Arbeit spielt Mobilität (lat. mobilitas=Beweglichkeit) eine wichtige Rolle: Man denke in diesem Zusammenhang an die großen Wanderbewegungen von Arbeitskräften, die beispielsweise zum Entstehen des "Ruhrgebiets" geführt haben, an wandernde Handwerksgesellen oder an Außendienstmitarbeiter. Für Führungskräfte und Projektmitarbeiter gehören Dienstreisen zum beruflichen Alltag. Viele Arbeitnehmer nehmen regelmäßig weite Wege zwischen Arbeitsstätte und Wohnung auf sich.
Noch nie jedoch kam der Mobilität des Einzelnen die Bedeutung zu, die sie in den letzten Jahren erlangt hat. Nicht nur Finanz- und Güterströme fließen vierundzwanzig Stunden am Tag und immer verzweigter und schneller von A nach B. Auch der Produktionsfaktor Arbeit kann sich in Zeiten ständig schneller werdenden technologischen Wandels und zunehmender Globalisierung dieser Entwicklung nicht entziehen. Die Wirtschaft der Gegenwart und der Zukunft fordert zunehmend das Ideal des körperlich, geistig, mental und zeitlich hochmobilen und -flexiblen Arbeitnehmers, der sich zudem durch lebenslange permanente Weiterbildung und Anpassung auf dem jeweils neuesten Stand seiner Profession befindet. Der darüber hinaus Erfahrung im Ausland gesammelt hat und auch gegebenenfalls bereit ist, dorthin seiner Arbeit zu folgen. Wer heute nicht der Rationalisierung zum Opfer fallen und in Arbeitslosigkeit enden will, tut gut daran, sich vom Gedanken permanenter Sesshaftigkeit zu verabschieden. Kritiker sprechen in diesem Zusammenhang vom modernen "Arbeitsnomaden", der seinen Wohnort dem Arbeitsplatz anpasst. Oder als Pendler lange Arbeitswege in Kauf nimmt. Mehrere Stunden Fahrzeiten am Tage, ob im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, ist für viele Millionen Menschen längst Realität geworden. Andere verbringen auf Grund der beträchtlichen Entfernungen die Woche gleich am Ort der Arbeit, müssen deshalb einen zweiten Haushalt einrichten und kehren nur zum Wochenende heim zu Familie und Partner.
Andererseits schafft Mobilität Chancen. Gerade für junge Menschen stellt die Unverbindlichkeit und der Vorläufigkeits-Charakter dieser Lebensweise, in Verbindung mit einem daran gekoppelten sozialen Aufstieg und Karrieremöglichkeiten einen gewissen Reiz dar.
Doch Kritiker warnen: Die Bindungslosigkeit fordert ihren Tribut. Festen sozialen Beziehungen und menschlicher Nähe ist solch ein Lebensmodell eher abträglich. Partnerschaften gehen dabei oft in die Brüche. Langfristige Lebensplanung, wie in früheren Zeiten üblich, lässt sich nur schwer realisieren. Es entsteht eine "Single-Gesellschaft" mit all ihren Begleiterscheinungen, wie Kindermangel und daraus resultierend, die "Vergreisung" und letztlich Schrumpfung der Gesellschaft.
Und auch die physische und psychische Gesundheit leidet unter den Belastungen der Mobilität. Viele Menschen fühlen sich auf Grund dieser Lebenssituation entwurzelt, einsam und unzufrieden. Der weite Weg zur Arbeitsstätte, oft im Stau auf der Autobahn oder in überfüllten Zügen, ist stressig und kräftezehrend. Doch eine Umkehr ist noch nicht in Sicht, obwohl vielleicht gewisse Chancen für die Zukunft bestehen: Beispielsweise in einer Abwendung von der "personalen Mobilität" hin zu einer stärkeren Förderung der sogenannten "E-Mobility" (Electronic Mobility).