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Mobbing: Ursachen, Folgen, Gegenmaßnahmen und Prävention

Letzte Aktualisierung: 29/07/2015 | Gesundheit

Definition, Erklärung

Zu Mobbing am Arbeitsplatz gehören Schikanen, Intrigen, Gerüchte und Psychoterror gegen Mitarbeiter (sog. „bossing“), gegen Kollegen, oder auch gegen Chefs (sog. „staffing“), die systematisch und über einen längeren Zeitraum vorkommen.

Formen von Mobbing

Die Schikanen können darin bestehen, jemanden lächerlich zu machen, Informationen vorzuenthalten, Gerüchte zu verbreiten oder jemanden beim Vorgesetzten anzuschwärzen. Auch Diskriminierung gehört dazu. Leymann hat insgesamt 45 Mobbinghandlungen festgestellt, die er in die Kategorien unterteilt:

  • Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen (z.B. jemanden unterbrechen, anschreien, bewusst nicht wahrnehmen)
  • Angriffe auf die sozialen Beziehungen (z.B. jemandem das Gespräch verbieten)
  • Angriffe auf das soziale Ansehen (z.B. Gerüchte verbreiten, Intrigen spinnen)
  • Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation (z.B. verletzende Kritik an der Arbeit, jemandem sinnlose Aufgaben übertragen oder bewusst unter- oder überfordern)
  • Angriffe auf die Gesundheit (z.B. jemanden schlagen, sexuell belästigen, beleidigen oder anpöbeln)

Die Täter sind beim bossing Personen, die in der Hierarchieebene über dem Opfer stehen. Beim horizontalen Mobbing sind Täter und Opfer auf der gleichen Hierarchiestufe. Beim staffing dagegen mobben Untergebene eine Person auf einer höheren Hierarchiestufe.

Ursachen

Die Ursachen lassen sich nicht eindeutig festmachen und sind in der Forschung umstritten. Genannt werden:

  • Konkurrenz, Leistungsdruck oder Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes
  • Inkompetente Vorgesetzte, die unklare oder widersprüchliche Arbeitsanweisungen geben oder auch Arbeit ungerecht verteilen
  • Unklare Zuständigkeiten
  • Monotonie und Stress
  • Über- und Unterforderung
  • Organisationsveränderungen
  • Eine Strategie der Unternehmensleitung, um unliebsame Mitarbeiter zur Kündigung zu veranlassen, dabei den Kündigungsschutz zu umgehen und Abfindungszahlungen zu vermeiden
  • Konflikte zwischen den Kollegen bzw. mit dem Chef, die nicht bereinigt werden
  • Soziale Stellung des Betroffenen

Folgen

Durch Mobbing im Beruf wird das Opfer erheblichem psychischen Druck ausgesetzt und reagiert darauf mit

  • Demotivation
  • Innerer Kündigung und Minderleistung
  • Stresssymptomen wie Kopfschmerzen oder Schlafstörungen
  • psychischen Erkrankungen wie Angstzuständen und Depressionen
  • physischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzschmerzen, Magen- und Darmentzündungen, Muskelverspannungen und Körperfehlhaltungen
  • Unsicherheit und Verlust des Selbstvertrauens

Dadurch bedingt kann es zu Krankschreibungen oder gar Arbeitsunfähigkeit der Mobbing-Opfer kommen, die Kündigung, Arbeitslosigkeit, Erwerbsminderung und Frühverrentung nach sich ziehen. Neben den Auswirkungen auf den Gemobbten entstehen dadurch hohe volks- und betriebswirtschaftliche Kosten.

Tipps, Checkliste

Als Gegenmaßnahmen und zur Prävention von Mobbing empfehlen sich für Mobbing-Opfer:

  • Versuchen Sie, sich zu entspannen und abzulenken. Manchmal hilft auch eine Auszeit oder Urlaub, um die Situation zu entkräften
  • Wenden Sie sich bei Mobbing durch Kollegen an Ihren Vorgesetzten
  • Wenn das nichts hilft oder nicht möglich ist, schalten Sie den Betriebsrat oder sofern vorhanden die Sozialberatung ein
  • Setzen Sie dem Täter Grenzen
  • Wehren Sie sich frühzeitig
  • Suchen Sie sich Unterstützung durch Vorgesetzte, Kollegen
  • Stellen Sie den Täter zur Rede und nehmen Sie in dieses Gespräch einen Dritten mit. Dieser kann als Zeuge, als Moderator oder als Vermittler auftreten
  • Wenden Sie sich an Mobbing-Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
  • Führen Sie ein Mobbing-Tagebuch, in dem Sie die jeweiligen Situationen mit Uhrzeit dokumentieren. Wenn es Zeugen für die Mobbing-Situation gibt, vermerken Sie dieses ebenfalls. Notieren Sie auch Ihre Reaktionen (Angstzustände, Schweißausbrüche, Herzrasen, Kopfschmerzen usw.). Dieses Tagebuch dient bei einer möglichen Gerichtsverhandlung als Beweismittel
  • Wechseln Sie den Arbeitsplatz bzw. kündigen Sie im Extremfall

Als Gegenmaßnahmen und zur Prävention von Mobbing empfehlen sich für Arbeitgeber bzw. Vorgesetzte:

  • Betreiben Sie ein aktives Konfliktmanagement: Sprechen Sie Probleme gleich zu Anfang an und achten Sie darauf, dass Auseinandersetzungen nicht persönlich werden
  • Bedenken Sie, dass nicht gleich alles Mobbing ist. Manchmal hat nur jemand schlechte Laune. Aber achten Sie darauf, ob Schikanen und verletzende Kommunikation sich dauerhaft gegen eine Person richten
  • Bauen Sie eine Unternehmenskultur auf, in der konstruktive Zusammenarbeit gefördert wird und die Wertschätzung des Einzelnen im Vordergrund steht
  • Bieten Sie Aufklärung, Beratung und Hilfen zum Thema Mobbing. Dazu gehört auch die Institutionalisierung von Mobbing in der Betriebsvereinbarung oder Dienstvereinbarung
  • Bieten Sie Mediation an. Hierbei steht im Vordergrund, den Täter zu stoppen und Opfer als auch Täter bei der Änderung ihres Verhaltens zu unterstützen
  • Zum Arbeitsschutz gehören auch Maßnahmen, die Mobbing unterbinden. Wenn Sie hier nicht tätig werden, kann ein Mobbing-Opfer Sie arbeits- und zivilrechtlich verklagen und Schadensersatz fordern
  • Sie können einem Mobber ausserordentlich kündigen
  • Wird Ihnen von einem Mobbing-Fall berichtet, müssen Sie im Rahmen Ihrer Fürsorgepflicht reagieren mit Maßnahmen wie Mitarbeitergesprächen, Abmahnung, Kündigung oder Versetzung

Arbeitsrecht, Urteile

Informationsquellen

Literatur