Definition, Erklärung
In anderen Ländern und Kulturen gibt es auch andere Verhaltensweisen. Verhalten, das bei uns als positiv empfunden wird, kann im Ausland als Arroganz, schlechter Stil, Respektlosigkeit interpretiert werden. Bestenfalls wird es mit Unverständnis registriert, manchmal kann es sogar zum Abbruch von Geschäftsbeziehungen und zum Verlust eines Geschäfts führen. Dagegen kann das richtige Auftreten so manche Türe öffnen.
Tipps, Checkliste
- Bereiten Sie sich auf jedes Land individuell vor und erkunden Sie sich über den jeweils gültigen Knigge bzw. Verhaltenskodex. Fragen Sie Kollegen, die bereits dort waren, worauf zu achten ist
- Begegnen Sie den Menschen mit Respekt und Achtung. Versuchen Sie, auf die landesspezifischen Eigenheiten einzugehen und akzeptieren Sie diese, wie z.B. gedeckte Kleidung in muslimischen Staaten. Wenn Sie nicht wissen, welches Verhalten von Ihnen erwartet wird, fragen Sie Ihren Gesprächspartner
- Erlernen Sie die wichtigsten Höflichkeitswörter der Landessprache. Sprechen Sie langsam und deutlich
- Seien Sie sparsam mit Körpersprache und Berührungen. Beobachten Sie, wie Ausländer, die bereits längere Zeit im Land verweilen, sich verhalten und passen sich daran an
- Seien Sie offen und lassen Sie sich auf die Sitten des jeweiligen Landes ein. Probieren Sie die traditionellen Speisen
Quelle: Secretarys weekly Newsletter vom 07.07.2006:
- Großbritannien
- In Großbritannien wird zielorientierter gearbeitet als in Deutschland. Pragmatische Briten halten uns Deutsche oft für zu pedantisch und detailverliebt
- Briten sind weniger direkt als Deutsche. Ein hartes "Nein" wird als Affront empfunden. Wichtig sind die kleinen Nuancen
- Keine Angst vor Smalltalk! Briten lieben ein lockeres Aufwärmgespräch vor harten Verhandlungen. Besserwisser und Schulmeister sind dagegen nicht gefragt, ebenso wenig "arrogante Deutsche"
- Britische Loyalit"t bedeutet: Einmal gefällte Entscheidungen sind unumstößlich. Nachverhandlungen gibt es nicht!
- Typisch britisch ist die Kunst des "Understatement": Selbstbewusste Briten stellen gerne ihr Licht unter den Scheffel, um im nächsten Atemzug mit einer brillanten Idee zu glänzen. "Understatement" ist für Deutsche die beste Möglichkeit, um bei Briten zu punkten
- Britischer Humor macht vor nichts Halt, nicht einmal vor sich selbst. Natürlich auch nicht vor den Deutschen. Hier sind Nehmerqualitäten gefragt
Quelle: Secretarys weekly Newsletter vom 28.06.2006:
- Polen
- Schenken Sie Blumen, aber bitte in gerader Zahl! Denn nur dann schenken Sie auch Glück - eine ungerade Zahl Blumen wäre demnach ein wirklich böser Fauxpas
- In Polen sind die meisten Menschen katholisch und üben ihren Glauben aktiv aus. Vergessen Sie daher nicht den Namenstag Ihres Geschäftspartners, denn das wäre für ihn genauso schlimm, wie wenn Sie seinen Geburtstag vergessen! Auch sollten Sie ihn freitags nicht unbedingt in ein Steak-Restaurant einladen, denn an diesem Tag wird in Polen fast immer Fisch gegessen, zumindest halten sich dort noch viel mehr Menschen an diese Regel als in Deutschland
- Kritisieren Sie niemals den verstorbenen Papst Johannes Paul II! Denn erstens war dieser bekanntlich gebürtiger Pole, zweitens siehe vorher und drittens bedeutet er selbst nicht-katholischen Polen unendlich viel!
- Wenn man Ihnen etwas zu essen anbietet, nehmen Sie es an! Suchen Sie nicht Gründe, wie "danke, ich bin satt", "ich bin gerade auf Diät" oder "ich esse später noch anderswo…" Denn damit sorgen Sie garantiert dafür, dass man Sie nicht versteht. Im schlimmsten Fall werden Sie nicht mehr eingeladen
- Fragen Sie nicht nach einem Stand, an dem man Pommes Frittes & Co. kriegt! Denn andernfalls wird man Sie erstaunt fragen, warum Sie nicht zu Hause oder im Restaurant essen wollen. Im Ernst: Fast-Food ist zumindest für die ältere Generation der Polen nichts!
- Schenken Sie kein Kreuz! Obwohl Polen sehr katholisch sind (siehe oben) mögen die meisten Kreuze nicht als modisches Accessoire. Die einhellige Meinung ist: "Kreuze erinnern zu sehr an den baldigen Aufenthalt auf dem Friedhof"
- Sagen Sie niemals "Ihr in Ost-Europa"! Sie berühren damit einen heiklen Punkt, der bei Ihrem Gegenüber schnell zu Minderwertigkeitskomplexen führen kann. Die Reaktion könnte von schweigsamer Aufregung über die Arroganz des Deutschen bis zur trotzigen Behauptung, die Mitte Europas liege bekanntlich bei Lodz, führen
- Machen Sie niemals Witze über Autodiebe! Auch wenn Sie selbst jemanden kennen, der jemanden kennt, dem mal ein Auto auf einem polnischen Parkplatz abhanden gekommen ist, selbst wenn der Witz noch so lustig ist … Vorurteile enthalten zwar meist ein Körnchen Wahrheit, gehören jedoch nicht in die Kommunikation mit Geschäftspartnern und Freunden!
Quelle: Secretarys weekly Newsletter vom 21.06.2006:
(Speziell für Frauen)
- USA
Amerikaner hassen Unpünktlichkeit sowie Rauchen auch im Freien. Und üben Sie niemals Kritik am Präsidenten, selbst wenn sich Ihr Gast negativ über ihn äußern sollte. Denn eines ist sicher: Fremde haben Bush und Co. nicht zu kritisieren! Ebenfalls ein "Tabu" ist – bei aller amerikanischer Lockerheit – Missbrauch von Alkohol. Die Anrede von "Miss" für Fräulein ist, ähnlich wie bei uns in Deutschland, mittlerweile "Out". Falls Sie den Nachnahmen nicht kennen, können Sie sich mit "Sir" und "Madam" helfen. Ansonsten wird in den USA sowieso schnell zum Vornamen gewechselt.
Mein Tipp: Am besten ist, Sie warten ab, bis man Ihnen eine Form der Anrede anbietet.
- Japan
Gastgeschenke sind üblich, werden jedoch nur übergeben, wenn Sie mit dem Gastgeber allein sind. Dann jedoch nur mit beiden Händen gleichzeitig! Vermeiden Sie weiße oder aus vier Teilen bestehende Mitbringsel! Weitere Tabus sind Unpünktlichkeit und zu forsches Auftreten von Frauen. Auch sich selbst bei Tische einzuschenken gilt als nicht nett: Zuvor müssen Sie Ihrem Nachbarn einschenken! Als Anrede können Sie das amerikanische "Sir" und "Madam" verwenden, wenn Sie sich mit den japanischen nicht sicher sind. Und nehmen Sie viele Visitenkarten mit, denn die werden immer gerne und reichlich ausgetauscht – auch zu privaten Anlässen.
Abendliche Veranstaltungen mit Alkohol auf "Ex" getrunken und eventuell Karaoke gehören zu jedem Geschäftskontakt dazu. Trösten Sie sich, falls Sie solche Anlässe nicht mögen: Wir Frauen sind dabei sowieso nicht erwünscht.
Zur Begrüßung beginnen konservative Japaner mit einer tiefen Verbeugung, bei der sie die Hände mit einem geraden Rücken vor der Brust falten.
Mein Tipp: Warten Sie am besten ab, was Ihr Gesprächspartner macht und machen Sie es ihm dann nach. Vor allem im Umgang mit asiatischen Menschen gilt: Genaue Beobachtung ist alles!
- Skandinavische Länder
Skandinavier hassen, wie viele Nationen, Unpünktlichkeit. Tabu-Gesprächsthemen sind die EU und Walfangprobleme. Stellen Sie sich zur Begrüßung mit Ihrem Vor- und Nachnamen vor und schütteln Sie ausgiebig die Ihnen gereichten Hände. Auch Gastgeschenke sind durchaus angebracht.
Extra-Tipp für Schweden: Ziehen Sie die Schuhe aus, wenn Sie in eine Privatwohnung kommen!
- Arabien
In arabischen Ländern gilt die linke Hand als "unreine Hand", daher sollten Sie Speisen nie mit der linken Hand nehmen. Absolute Tabus sind das Kreuz-Symbol und Gastgeschenke mit Alkohol. Also legen Sie lieber nicht Ihre Halskette mit dem schicken Kreuz an. Und diskutieren Sie niemals über den Islam oder die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Auch Kritik am Herrscherhaus ist – wie in so vielen Ländern – nicht gern gesehen. Zu Verhandlungen sollten Sie viel Zeit mitnehmen und sich auf unpünktliche Gesprächspartner gefasst machen. Gastgeschenke sind bei privaten Einladungen erwünscht. Bei der Kleidung lassen Sie besser alles, was zu figurbetont ist, weg, bedecken Sie möglichst Ihre Handgelenke und zeigen Sie generell nicht zu viel Haut!
Mein Tipp: Auch im Umgang mit arabischen Geschäftspartnern kommen Sie am weitesten, wenn Sie genau beobachten. Als Frau sollte man sich sowieso im Hintergrund halten, da haben Sie die Situation am besten im Blick!
Presseartikel
- Wie viel Körperkontakt darf's sein? FOCUS Online, 28.03.2008
- Niederlande: Wo man zum Chef "du" sagt; FOCUS Online, 12.11.2007
- China: Der Weg zum Verhandlungserfolg; monster.de, 29.10.2007
- Spanien: Darf man das? ZEIT online, 04.10.2007
- Arbeiten in Japan: Business-Knigge: Bitte recht freundlich; FOCUS Online
- Business-Etikette im Ausland; business-wissen.de, 25.07.2007
- Benimm im Ausland: So klappt's mit Miyamoto-san; FOCUS Online, 29.05.2007
- Auslands-Knigge: USA; CoachAcademy, 31.01.2007
- Reise-Knigge für Japan: Im Land der Fettnäpfe; sueddeutsche.de, 13.11.2006
- Hier wird Managern geholfen; stern.de, 17.09.2006
- Meetings in Englisch; RuFuS Infomail, 05.07.2006
Vermeiden Sie unbedingt diese Fehler!
- Begrüssungsknigge international; CoachAcademy, 24.05.2006
- Auslandsknigge: Sind Sie ein Kosmopolit? SPIEGEL ONLINE, 01/2006
- Geschäftsreisen: Andere Länder, andere Business-Sitten; stern.de
- Auslandsmärkte erschliessen; Handwerk International
- Stilsicher auf fremdem Parkett; FOCUS Online
mit Test Business-Knigge international
- Internationales Geschäft: Die souveräne Präsentation; FAZ.NET, 09.12.2005
- China: Achtsamkeit beim Begrüßungsritual; Verlag für die Deutsche Wirtschaft, 05.10.2005
- Internationales Geschäft: Verhandlungen strukturieren; FAZ.NET, 30.09.2005
- Management auf Japanisch; CoachAcademy, 22.08.2005
Informationsquellen
Literatur, Broschüren
- Einen preiswerten Taschenguide bietet Knigge fürs Ausland von Heinz Fichtinger und Gregor Sterzenbach
- Beispiele aus der Praxis, Checklisten und Hintergrundinformationen zu verschiedenen Kommunikationssituationen, Verhaltensregeln und -strategien, Arbeitsabläufe, Meetings, Mitarbeiterführung bis zur privaten Einladung finden sich in Business-Knigge: Arabische Welt von Gabi Kratochwil. MWonline hat es besprochen
Letzte Aktualisierung: 09.09.2008