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Arbeitsleben > Kompetenzen > Skills > Gut vernetzt



Karrierebaustein Networking

Definition, Erklärung

Gut geklüngelt ist halb gewonnen. Die wichtigsten Erfolgsfaktoren für erfolgreiches Netzwerken

Wie kommen Existenzgründer an Kunden, Arbeitslose an Job-Informationen, Angestellte an attraktive Alternativen, Kreative an Inspiration und Führungskräfte an Managementtipps? Ganz klar: mit einer gesunden Dosis Vitamin B. Ein tragfähiges Netz an Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, kann maßgeblich für den Erfolg sein - insbesondere in schwierigen Abschnitten oder wenn Veränderungen anstehen. Vorbei die Zeiten, in denen abschätzig von "Seilschaften" die Rede war und dem gezielten Kontaktmanagement etwas Anrüchiges anhaftete.

"Networking" – so die Zauberformel auf neudeutsch – ist ein wesentlicher Erfolgsbaustein und bedeutet ganz einfach, gezielt Kontakte zu knüpfen und zu halten. Immer mehr Menschen schließen sich zu diesem Zweck bestehenden Organisationen und Gruppen an, die sich Unterstützung bei beruflichen Interessen auf die Fahnen geschrieben haben: Verbände, Clubs, Arbeitsgemeinschaften oder Foren, formell oder eher informell, regional oder überregional, persönlich oder virtuell, definiert durch Branche oder berufliche Situation – die Auswahl ist schier unerschöpflich.

Und natürlich ist Networking auch außerhalb fester Strukturen möglich: Veranstaltungen, Podiumsdiskussionen, Messen oder Seminare sind ideale Gelegenheiten, Gleichgesinnte zu treffen und Präsenz zu zeigen.

Wer in einer funktionierenden Gruppierung mitmischt, kann reichlich profitieren: Die Teilnehmer tauschen Ideen, Informationen und Neuigkeiten aus. Sie vermitteln Kontakte oder geben sich gegenseitig praktische Hilfestellung – so ist innerhalb von gut funktionierenden Netzwerken beispielsweise die Auftragsweitergabe unter Selbstständigen an der Tagesordnung.

Es gibt regelmäßige Treffen, Vorträge, Diskussionen, gegebenenfalls Newsletter, Mitgliederverzeichnisse, Websites und –foren, Weiterbildungen oder gemeinsame Messeauftritte, was besonders für Einzelpersonen von großem Nutzen sein kann. Persönliche und soziale Kompetenzen werden gefordert und trainiert. Gerade wer arbeitslos oder freiberuflich tätig ist, kann mittels eines oder mehrerer beruflicher Netzwerke fachlich und auf der „Kontaktebene“ am Ball bleiben. Schließlich hat man es in solchen Situationen nicht immer leicht, an Insiderwissen heranzukommen.

Insbesondere Arbeitslose ziehen sich instinktiv häufig aus sozialen Gruppierungen eher zurück – bräuchten sie doch gerade jetzt die starken Fäden eines funktionierenden Netzes. So ist eine einfache Empfehlung Gold wert und bringt meist mehr als zig Initiativbewerbungen, zumal in der derzeitigen Arbeitsmarktsituation mit Hunderten von Bewerbern die größte Hürde darin besteht, von einem Arbeitgeber überhaupt wahrgenommen zu werden. Ein gutes Beziehungsmanagement erhöht zudem die Chance, aus erster Hand von freien Stellen zu erfahren - ebenfalls ein entscheidender Vorsprung, sind viele Positionen doch bereits vergeben, bevor sie überhaupt ausgeschrieben werden. Und neben all dem konkreten Nutzen sind es nicht zuletzt die „weichen Faktoren“, die Networking so wichtig machen: Wer sich mit anderen austauscht, nimmt ein gehöriges Maß an Rückhalt, Inspiration und neuen Ideen für den eigenen Weg mit.

In Phasen der Veränderung kann also von Glück reden, wer sich bereits bei Zeiten engagiert und sich ein solch karriereförderndes Netz geschaffen hat. Wenn nicht: Jetzt wird es höchste Zeit, sich darum zu kümmern!

Zehn goldene Regeln für erfolgreiches Netzwerken

  • Das A&O: Klare Ziele und eine sorgfältige Auswahl
  • Netzwerken erfordert Zeit und Engagement. Beide sind nur dann nutzbringend investiert, wenn die Gruppierung wirklich zu einer Person passt. Entscheidend sind die persönlichen Ziele und Prioritäten: Was fehlt mir in meiner derzeitigen beruflichen Situation, wo könnte etwas Unterstützung noch gut tun? Suche ich ein übergreifendes oder ein branchenspezifisches Netzwerk? Möchte ich Menschen aus meinem bisherigen Tätigkeitsfeld treffen oder mich gezielt einer Gruppe außerhalb dieses Bereiches anschließen, um neue Kontakte und Ideen zu sammeln?

    Interessensgruppen gibt es auch für verschiedene persönliche Situationen, sei es für Berufseinsteiger, Selbstständige, Führungskräfte, Umsteiger oder Arbeitslose. Wer sich Kontakte über die Stadtgrenzen hinaus wünscht, sollte sich für eine Gruppierung entscheiden, die auch überregional tätig ist. Auch was den Rahmen angeht, ist die Palette groß: Sie reicht von lockeren Stammtischen bis hin zu elitären Clubs, die sich ausschließlich in First Class-Hotels treffen.

    Die meisten Gruppen bieten offene Veranstaltungen an, bei denen Interessenten Kontakt aufnehmen und die Atmosphäre schnuppern können. Eine „Erfolgskontrolle“ nach einiger Zeit empfiehlt sich: Wird die Mitgliedschaft den Erwartungen auf Dauer nicht gerecht, sollte sich der Netzwerker einen neuen Rahmen suchen.

  • Je eher, desto besser
  • Aufbau von tragfähigen Kontakten braucht Zeit – dies gilt im Arbeitskontext genauso wie im privaten Bereich. Daher ist es am besten, mit dem Netzwerken bereits zu beginnen, bevor man es wirklich braucht und konkret Nutzen daraus ziehen möchte. Wer krisengeschüttelt und als Bittsteller auftritt, hat schlechtere Karten als jemand, der sich zu Beginn ruhig und gelassen einbringen kann.

  • Werbeslogan in eigener Sache: Die Kurzvorstellung
  • Die ersten Sekunden eines Kontaktes entscheiden – und häufig führt man bei einer Veranstaltung viele kurze Gespräche. Netzwerk-Profis legen sich daher passende, prägnante und dabei ehrliche Kurzvorstellungen zurecht, durchaus auch unterschiedliche für diverse Anlässe oder Gesprächspartner. Floskeln und Allgemeinplätze sollten vermieden werden – je klarer und interessanter die Aussage, desto besser. Ziel ist es schließlich, den anderen neugierig zu machen und in ihm das Gefühl zu wecken, mehr hören zu wollen.

  • Visitenkarten gehören zur Grundausstattung
  • Der Austausch von Visitenkarten ist mittlerweile selbst im (halb-)privaten Kontext üblich. Schlichte Ausführungen erfüllen durchaus ihren Zweck, sie sind für wenige Euro am Automaten erhältlich oder lassen sich am PC erstellen. Visitenkarten ermöglichen es, die eigenen Kontaktdaten einfacher zu streuen und erleichtern es den Gesprächspartnern, sich aneinander zu erinnern. Eine nette Geste kann es sein, dem anderen auf der Rückseite eine Notiz mitzugeben – beispielsweise einen Buchtipp oder den Namen einer Person. Wer die Karte aufmerksam studiert, schenkt dem Gegenüber Aufmerksamkeit – und entdeckt auch häufig weitere Anknüpfungspunkte wie einen gemeinsamen Namen oder einen nahe gelegenen Wohnort.

  • Netzwerken bedeutet, aktiv zu sein
  • Sich einer Gruppierung nur anzuschließen, genügt nicht – denn die wirklich wertvollen Informationen flattern meist nicht mit dem regelmäßigen Newsletter oder über die Mailingliste ins Haus. Wer innerhalb einer Gruppierung aktiv ist und Präsenz zeigt, hat mehr davon: Gemeinsames Engagement ist die beste Form, sich kennen zu lernen, soziale Kompetenz unter Beweis zu stellen und Vertrauen aufzubauen.

  • Networking heißt Geben und Nehmen
  • Netzwerken funktioniert nur, wenn ein offener Austausch zwischen den Beteiligten stattfindet. Wer in der ersten Begrüßungsrunde ausführlich seine Ansprüche und Erwartungen darlegt, wird sich keine Freunde machen. Die erste Frage sollte lauten: Was kann ich für die anderen tun? Jeder hat etwas einzubringen: Kleine Gefallen und Tipps sind wertvolle Gesten. Je mehr der Einzelne seinen Teil zum Gelingen beiträgt, Hilfe anbietet und mit Informationen nicht geizt, umso schneller wird er auch Früchte ernten.

  • Bessere Erfolgsaussichten durch gegenseitiges kennen lernen
  • Nur wer sich aufrichtig für die Belange des anderen interessiert und sich Informationen merkt, lernt sein Gegenüber wirklich kennen. Und das ist unerlässlich für erfolgreiches Networking: Wer liegt mir? Wofür interessiert sich die Person, wofür ist sie zuständig, welche Kompetenzen hat sie, in welchen Bereichen kann sie mir Nutzen bringen? Und vor allem: Wo gibt es Anknüpfungspunkte, was verbindet uns? Gleichzeitig bedeutet aktives Netzwerken, über sich selbst zu sprechen. Wer sich zeigt, wird schneller mit den anderen „warm werden“ und kann stabile Beziehungen aufbauen. Dabei ist nicht nur die Schokoladenseite gefragt: Wenn andere wissen, was einem Kollegen derzeit fehlt und was seine Pläne und Ziele sind, können sie ihn zielgerichtet unterstützen.
    Doch auch hier ist ein guter Instinkt gefragt: Gerade im Kontakt mit Personen aus der gleichen Branche besteht die Gratwanderung darin, bei aller Offenheit mit Informationen vorsichtig umzugehen – Ideenklau und sonstige Nachteile nicht ausgeschlossen!

  • Nicht zu vernachlässigen: der Spaßfaktor
  • In einem Netzwerk wird sich nur dauerhaft wohlfühlen, wer Spaß dabei hat und den menschlichen Faktor nicht vernachlässigt. Daher ist es unabdingbar, die passende Form des Umgangs zu finden. So ist nicht jeder der Typ für Smalltalk oder Wortmeldungen in großer Runde. Schüchterne Menschen können beispielsweise bestimmte Aufgaben in einem Netzwerk übernehmen. Sie stellen eine hervorragende Möglichkeit dar, sich und seine Kompetenzen „in Aktion“ zu zeigen, statt nur darüber zu sprechen. Die Mitarbeit im Organisationsteam oder einem Arbeitskreis kommt dabei genauso in Frage wie die Pressearbeit für eine Sonderaktion, das Pflegen des Verteilers oder das Kassieren bei einer Veranstaltung.

  • Netzwerke haben ihre eigenen Gesetze
  • Netzwerke stellen meist eine subtile Mischung aus formellem und informellem Miteinander dar. Hier gilt es, langsam und mit Feingefühl heranzugehen und ein Gespür für die ungeschriebenen Gesetze einer Gruppe zu entwickeln.

  • Kontaktpflege braucht Zeit
  • Insbesondere nach interessanten Begegnungen ist es sinnvoll, sich noch einmal an die betreffende Person zu wenden: Man kann beispielsweise einen Artikel oder Literaturtipp zu einem gemeinsamen Gesprächsthema oder weiterführende Gedanken nachreichen, nach dem Motto: „Danke für das anregende Gespräch, das Thema hat mich beschäftigt und ich möchte noch Folgendes hinzufügen...“ Das signalisiert Interesse und verbindet. Auch hier gilt: Nur dann, wenn es echt ist!

    Anke Trutter ist als selbständige Autorin, Journalistin und PR-Managerin tätig.

    Hinweis: Ein Abdruck dieses Artikels ist nur nach Absprache erlaubt.