Einfach etwas gelassener im Alltag
Definition, Erklärung
Selbst-Test "Typische Stressverursacher"
Prüfen Sie ehrlich, ob einige dieser Verhaltensweisen nicht auch auf Sie zutreffen:
- Sie haben eine unklare Vorstellung von Ihren Wünschen und neigen zu hochtönenden Verallgemeinerungen, statt sich überschaubare Ziele zu setzen.
- Sie sagen lieber "Ich muss" statt "Ich möchte", als wären Sie ferngesteuert.
- Sie packen sich den Terminkalender voll, überschätzen aber meistens Ihr Zeitbudget. Verzögerungen oder Pannen sind darin nicht vorgesehen.
- Ihre Mitarbeiter stellen für Sie oft eine Störung und Bedrohung dar. Sie verzichten lieber auf das kollegiale Gespräch oder die Tasse Kaffee zwischendurch, weil so etwas keinen zählbaren Erfolg verspricht.
- Sie arbeiten schnell, oft hektisch, ohne zu wissen, ob die Eile Ihrer Arbeit nützt.
- Sie halten üblicherweise die Bürotür geschlossen, um sich gegen Störenfriede zu schützen
- Der Druck, unter den Sie sich setzen, führt zu Konkurrenzverhalten und Aggressivität. Das Betriebsklima interessiert Sie nur dann, wenn Sie davon profitieren.
- Sie glauben an "Leistung", empfinden aber das, was Sie täglich leisten, als ungenügend.
Nicht alle diese Beschreibungen müssen auf Sie zutreffen. Vielleicht erkennen Sie darin auch nur den einen oder anderen Kollegen wieder. Das wäre nicht weiter erstaunlich, denn die anderen können wir täglich von außen betrachten, uns selbst jedoch nicht. Sie sollten sich also nicht zurücklehnen und glauben, Sie seien vor sinnlosem Stress sicher. Denn so wie jeder seinen Fingerabdruck hat, entwickelt auch jeder sein eigenes Stressverhalten.
Die kleinen Stressmomente erkennen
Beginnen Sie bei den kleinen Dingen. Stellen Sie sich einfach folgende Situationen vor, und überlegen Sie ehrlich, zu welcher Lösung Sie neigen:
- Sie sehen bestimmte Mitarbeiter und Kollegen täglich. Nehmen Sie sie auch als Menschen wahr? Merken Sie, wenn es ihnen schlecht geht? Erinnern Sie sich bei einigen an die Augenfarbe? Was denken Sie spontan, wenn Sie sehen, wie einer dem anderen eine Aufmerksamkeit zum Geburtstag überreicht? Achten Sie auf solche Details, und Sie werden Welten entdecken.
- Die Mittagspause rückt näher. Empfinden Sie die Unterbrechung als lästig oder willkommen? Wer oder was treibt Sie, wenn Sie die Pause streichen? Fühlen Sie sich ein klein wenig heldenhaft, wenn Sie Ihr Erholungsbedürfnis niederkämpfen?
- Ein Kollege fragt Sie um die Mittagszeit, ob Sie Hunger haben. Schauen Sie auf die Uhr, bevor Sie antworten? Wird sich Ihre Antwort auf Ihren Magen beziehen oder auf die Uhrzeit?
- Ein unerwarteter Privatanruf reißt Sie aus der Arbeit. Wimmeln Sie ihn ab? Werden Sie unwirsch oder sprechen Sie von der Wichtigkeit der Aufgabe, die gerade unterbrochen wird? Fragen Sie sich, ob Ihr Gesprächspartner über Ihre Reaktion glücklich sein wird.
- Eine neue, verantwortungsvolle Aufgabe wird an Sie herangetragen. Was daran reizt Sie mehr – das Wohlwollen Ihres Vorgesetzten oder der Inhalt der neuen Aufgabe? Halten Sie es für dumm, das Mehr an Verantwortung abzulehnen? Oder geben Sie sich die Zeit, das neue Tätigkeitsfeld in Ruhe zu prüfen, um herauszufinden, ob es Ihren Fähigkeiten entspricht?
- Von einem Kollegen erfahren Sie, er trete einen einjährigen Vaterschaftsurlaub an. Finden Sie das theoretisch in Ordnung, in der Praxis aber zu "weich", weil es dem Verzicht auf Karriere gleichkommt? Gibt es etwas Sinnvolles in Ihrem Leben, für das sich Pausen, Unterbrechungen oder Rückschritte lohnen könnten?
Dies sind nur einige der Alltagssituationen, in denen Sie sich wiederfinden, ohne sie näher zu beachten. Dabei verraten gerade die Kleinigkeiten viel darüber, in welchem Maß Sie die Arbeit beherrschen – oder die Arbeit Sie. Beobachten Sie sich doch einmal mit Blick auf solche Details, und versuchen Sie konkret, mehr Gelassenheit in Ihren Alltag zu bringen!
Selbstmanagement-Letter, 15.09.2005