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Elf griechische Fußballer - allesamt weitgehend Namenlose und beileibe keine herausragenden Einzelkönner - werden in Portugal überraschend Europameister. Mit Hilfe des vielbeschworenen Teamspirit. Was ist eigentlich das Geheimnis dieses eigenartigen Phänomens?
Für den Münchner Psychologieprofessor Heinz Mandl ist der Sensationserfolg der Hellenen bei der Fußball-EM alles andere als ein Wunder. "Die Griechen haben gezeigt, was Teamarbeit und Teamgeist alles bewirken können". Und dass die großen Fußballnationen wie Frankreich, England, Spanien und Portugal mit ihren Ansammlungen von grandios-genialen Balltretern ruhmlos gescheitert sind, ebenfalls nicht. "Wenn in einer Mannschaft nicht jeder an einem anderen Strang zieht, geht die Kompetenz des Einzelnen unter".
Das ist überhaupt "der Knackpunkt jedweden Teamerfolgs", doziert der Lehr-stuhlinhaber für Pädagogische Psychologie an der Uni München. "Topleistungen können nur gedeihen, wenn alle Beteiligten sich der gemeinsamen Aufgabe unterordnen und alle Anstrengungen auf den Erfolg richten". Will nur einer die anderen benutzen, um selbst zu glänzen, reißt der Zielstrang. Weil: der Teamgeist ist sensibel und spürt sofort, wenn ein Missklang sich unter die Gruppe mischt.
Das gilt natürlich auch in Beruf und Arbeit. Nicht umsonst fordern Stellenanzeigen vor allem "Teamfähigkeit". Allerdings, so der Hamburger Unternehmensberater Hedwig Kellner, herrschen bei Arbeitgebern wie -nehmern oft falsche Vorstellungen darüber, was "Teamarbeit" eigentlich bedeutet. "Viele meinen, Teamarbeit sei, wenn mehrere Leute fleißig in einem Raum arbeiten und sich dabei nicht streiten" (Kellner). Wirkliches Teamworking ist jedoch weit mehr als das. Kellner nennt die Voraussetzungen dafür:
Vor allem die großen Autohersteller nutzen schon seit Mitte der 90er Jahre die Vorteile dynamischer Teamarbeit. So sitzen etwa bei Audi in einem Entwicklungsteam Fachleute aus dem Finanzbereich, Techniker und Fertigungsexperten. Durch das Zusammenspiel der Kompetenzen entstehen nicht nur neue Ideen (auf die ein Einzelner nie gekommen wäre!), der Austausch verhindert auch Fehlprozesse bereits in der Entstehung.
Natürlich muss auch in einem Team einer sagen, wo’s lang geht. Damit sich aber nicht die übliche Hierarchie aufbaut, werden mit der Leitungsfunktion möglichst wechselnde "Moderatoren" betraut.
Allerdings ist, so Psychologe Mandl, nicht jeder Mensch teamfähig. Gefordert sind vor allem Kommunikations- und Kritikfähigkeit. "Nur wer sich klar verständlich machen kann, dazu gern und offen in Begegnungen geht, kann gut in einem Team arbeiten". Dazu gehört: Er muss Kritik vertragen können, wenn sein Beitrag auch mal zerpflückt wird.
Und wie im Fußball-Team, so ist es auch im Arbeitsteam schädlich, wenn ein Einzelner sich auf Kosten des Teams profilieren will, andere ausnutzt oder ihnen wichtige Informationen vorenthält.
Ähnlich fatal mag sich auswirken, wenn ein Teammitglied versucht, die Gruppe in eine Richtung zu lenken, die nur für den eigenen Erfolg gut ist, nicht aber dem Teamziel dient (eitle Selbstdarsteller wie David Beckham im englischen Fußballteam lassen grüßen!).
Daneben gibt es laut Mandl noch vier weitere Verhaltensweisen, die einen Teamerfolg torpedieren:
Treten derartige Probleme auf, kommt dem Teamleiter, dem Moderator eine Schlüsselrolle zu: Als "Antreiber" muss er Abschweifungen und unwichtige Themen verhindern, als "Steuermann" frühzeitig Kursabweichungen erkennen und zugleich die Durchsetzungsfähigkeit haben, sie zu korrigieren, als Motivator immer wieder eine Atmosphäre des konsequenten Lernens schaffen, in der Fehler erlaubt sind, aber derselbe eben nur einmal.
Noch einmal zurück zu den Griechen: Für den Dresdner Sozialpsychologen Professor Stefan Schulz-Hardt haben das griechische Team und sein Trainer Otto Rehagel in Portugal demonstriert, wie ein Teamprozess nahezu deal umgesetzt wird. "Wenn beides stimmt - Motivation und Koordination des Systems - dann kann auch ein Team mit durchschnittlichen Spielern mehr leisten als ein Team, dessen einzelne Mitglieder eigentlich bessere individuelle Möglichkeiten mitbringen", so der Wissenschaftler.
Da bleibt gerade der deutschen Gesellschaft noch viel zu lernen "Unsere Kinder werden in der Schule zu sehr zu Einzelkämpfern erzogen; an dieser Mentalität scheitert dann in den Firmen allzu oft die Teamarbeit", klagt sein Münchner Kollege Mandl. Leider hat er recht.
Quelle: 4managers.de
Von Friedrich Maier, April 2004.
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