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Bewerbung 50plus

Letzte Aktualisierung: 17/04/2016 | Bewerbung

Definition, Erklärung

In Zeiten des Stellenmangels stellt die Bewerbung um einen Arbeitsplatz für jeden eine Herausforderung dar. Das gilt für die Gruppe der sogenannten älteren in besonderem Maße – trotz gesetzlichem Diskriminierungsverbot (AGG). Wer heute zur Generation 50+ gehört – je nach Branche aber auch schon 10-15 Jahre früher – und als Bewerber auf dem Arbeitsmarkt auftaucht, hat gegen Vorurteile zu kämpfen: Wie etwa denen, er sei verbraucht, ausgebrannt, zu unflexibel oder besonders krankheitsanfällig und somit für das Unternehmen eher eine Belastung als ein Gewinn.

Anders als etwa in den skandinavischen Ländern, Großbritannien oder der Schweiz, wo die Beschäftigungsquote älterer Arbeitnehmer bei über 70 % liegt, erreicht Deutschland zur Zeit gerade einmal knapp 50 %, was in Anbetracht der noch weit niedrigeren Quoten der vergangenen Jahre sogar schon als immenser Fortschritt verbucht werden muss. Demografischer Wandel, Mangel an Fachkräften, späteres Renteneintrittsalter und ein sich langsam veränderndes Bewusstsein bei Teilen der Personalverantwortlichen für die Werte reiferer Mitarbeiter/innen, haben diese positive Veränderung eingeleitet. Schon gibt es Unternehmen, die mit Kampagnen gezielt Bewerber über 55 Jahre ansprechen und andere, die sogar ihre ehemaligen Mitarbeiter aus dem Ruhestand zurückholen.

Trotz dieser durchaus erfreulichen Tatsachen gibt es keinen Grund zur Entwarnung. Denn es gibt sie immer noch zuhauf, die Unternehmen, die keinen Mitarbeiter über 50 mehr beschäftigen und sich auch grundsätzlich weigern, einen solchen einzustellen. Realistisch gesehen, hat es der ältere Bewerber im Wettbewerb mit seinen jüngeren Konkurrenten im Großen und Ganzen immer noch vergleichsweise sehr schwer.

Die einzige Chance in diesem Wettbewerb zu bestehen, liegt in der Anpassung der persönlichen Vermarktungsstrategie an das – vermeintliche – Manko des Alters. Der Schlüssel zum neuen Job in der zweiten Lebenshälfte besteht in der gut durchdachten, konsequenten Bewerbungsstrategie, die auf die vorhandenen spezifischen Stärken ausgerichtet ist.

Und davon gibt es in aller Regel nicht wenige. Umfragen zufolge schreiben Arbeitgeber älteren Arbeitnehmern eine Reihe von Vorzügen zu, wie etwa: Berufserfahrung, Menschenkenntnis, soziale Kompetenz, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Disziplin, Loyalität und die Fähigkeit zu unternehmerischem (Mit)Denken. Darauf gilt es in der Bewerbung das Hauptgewicht zu legen. Dennoch: Trotz Hervorhebung und allgemeiner Wertschätzung dieser sogenannten Softskills ist eines nach wie vor unabdingbar gefordert: Nämlich die berufsspezifische, fachliche Qualifikation. Sie kann durch nichts ersetzt werden. Und genau hier liegt, trotz großer Berufserfahrung, das Problem vieler älterer Stellensuchender, die aufgrund vernachlässigter Weiterbildung in der Vergangenheit, sich oft nicht auf dem neuesten Stand der fachlichen Entwicklung befinden.

Tipps, Checkliste

  • Informieren Sie sich über die aktuellen Bewerbungsstile und –methoden, wie z. B. die verschiedenen Formen der Online-Bewerbung. Bewerbungen werden heute anders erstellt als vor Jahren. Beweisen Sie schon durch die äußere Form Ihrer Bewerbung, dass Sie den Anschluss nicht verpasst haben.
    Es gibt mittlerweile viel Literatur zu diesem Thema. Notfalls nehmen Sie an einem Bewerbungstraining teil, wie es von vielen Institutionen angeboten wird. Die Kosten können von der Bundesagentur für Arbeit übernommen werden. Sprechen Sie einfach mal mit Ihrem Sachbearbeiter darüber
  • Besuchen Sie Fachmessen und -kongresse. Hier lassen sich eventuell erste Kontakte zu potentiellen Arbeitgebern knüpfen
  • Nutzen Sie, soweit vorhanden, Ihre sozialen Netzwerke, bzw. pflegen Sie diese beizeiten. Dazu gehören evtl. Kontakte aus der früheren Berufstätigkeit, Vereine usw. Erzählen Sie nach Möglichkeit aber auch Verwandten, Freunden, Bekannten, dass Sie auf der Suche nach einer neuen Stelle sind. Schätzungsweise jede zweite Stelle wird heute per „networking“ besetzt!
  • Besuchen Sie regelmäßige Fortbildungen. Wer wissensmäßig „up to date“ ist, hat wesentlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt
  • Machen Sie in der Bewerbung Ihre besonderen Stärken deutlich und nicht Ihre Schwächen. Betonen Sie, dass Sie wegen und nicht trotz Ihres Alters der Richtige für diese Stelle sind. Treten Sie nicht als „Bittsteller“ auf
  • Erstellen Sie ein persönliches „Kompetenzprofil“. Machen Sie sich klar, wo Ihre persönlichen Stärken und Schwächen liegen
  • Lassen sie auch die Chance eines Wiedereinstiegs über eine Zeitarbeitsfirma nicht außer acht. Auf diese Weise hat der Arbeitgeber Gelegenheit Sie, für ihn risikolos, kennen zu lernen. Außerdem: Jeder fünfte Mitarbeiter in dieser Branche ist mittlerweile über 45 Jahre alt
  • Gerade für ältere Arbeitnehmer besonders zu empfehlen: Rufen Sie vor der schriftlichen Bewerbung im Unternehmen an! Das gilt umso mehr, je kleiner das Unternehmen ist. Auf diese Art und Weise ist schon so mancher Arbeitsvertrag zustande gekommen
  • Bewerben Sie sich nicht nur auf konkrete Stellenangebote sondern in starkem Maße auch initiativ. Auf diese Weise sind Sie nicht einer unter Hunderten anderer Bewerber, die wahrscheinlich zum größten Teil um einiges jünger sind als Sie
  • Betonen Sie Ihre sozialen Kompetenzen. Weisen Sie auch ruhig im Lebenslauf darauf hin, wenn Sie sich auf bestimmten Gebieten besonders engagieren: Wenn Sie beispielsweise aktives Mitglied eines Naturschutz- oder Heimatvereines sind, Ausbilder beim DRK, oder Jugendtrainer im Sportverein
  • Pochen Sie nicht auf die Ihnen altersmäßig zustehenden Privilegien. Seien Sie bereit, eventuelle Abstriche beim Gehalt hinzunehmen
  • Suchen Sie nach Unternehmen, die gezielt auf ältere Arbeitnehmer setzen. Davon gibt es mehr und mehr
  • Nutzen Sie Stellenbörsen im Internet, insbesondere solche, die sich ausschließlich auf ältere Arbeitssuchende konzentrieren
  • Nutzen Sie Rat und Unterstützung von „außen“, wie etwa die „Perspektive 50plus“ des Bundesarbeitsministeriums. Mit Hilfe dieser Initiative werden zum Beispiel Projekte gefördert, die gezielt ältere Arbeitslose auf den Arbeitsmarkt vermitteln. Sprechen Sie darüber mit der Arbeitsagentur. Diese ermöglicht unter Umständen auch beträchtliche finanzielle Eingliederungshilfen, wie die Lohnkostenübernahme für eine gewisse Zeit. Weisen Sie in Ihrer Bewerbung den Arbeitgeber ruhig auf diesen Vorteil hin
  • Verwenden Sie die Zeit der Arbeitslosigkeit zur beruflichen Weiterbildung
  • überprüfen Sie sich auch dahingehend, ob der Schritt in die Selbstständigkeit für Sie eine Alternative darstellen könnte. Sprechen Sie darüber mit Menschen, die Sie gut kennen. Wie sehen die Sie? Traut man Ihnen das zu?
  • Und nicht zuletzt – so banal es auch klingen mag, so wichtig ist es: Geben Sie nie auf!! Verlieren Sie nie den Mut! Auf die 100. Bewerbung folgt die 101. Selbst junge, gut ausgebildete Bewerber müssen bisweilen mehrere hundert Bewerbungen schreiben, um ans Ziel zu gelangen

Literatur